Briefwechsel heute oder: Neulich in Facebook

  • Frage: Ich verstehe nicht, wie jemand, der soviel über den Glauben weiß und in seinem Studium sämtliche Widersprüchlichkeiten aufgedeckt hat noch religiös sein kann? Oder glaubst du an einen Gott, der über die menschlichen Religionen hinausgeht, also an irgendetwas Übergeordnetes?
  • Antwort: Also zunächst kann man viele Widersprüchlichkeiten erklären oder sogar beweisen - aber längst nicht alle. Nur so - weil ein geschlossenens faktisches System gibt's ja nicht mal bei den Naturwissenschaften, auch wenn das System da ja sehr dicht ist. Mein Glaube ist durchaus universal - aber der Grund warum ich mich im (jüdisch geprägten) christlichen Glauben beheimatet fühle ist, weil der Wahnsinn, zu glauben Gott teilt der Welt durch einen Menschen mit, was menschlich ist und damit - auch irgendwie den Wert von Göttlichkeit hat - das scheint mir sinnvoll. Weil der mensch ja (ganz nach Feuerbach) nur aus seiner Perspektive aus die Welt und Gott sehen kann. Das schließt aber für mich nicht aus, dass andere Gedankenwelten/Religionen/Weltanschauungen falsch sind oder keine Wahrheit/Weisheit hätten. Nur der Weg für mich zur Quelle zu kommen ist eben christlich geprägt. Die Quelle selbst wird 10.000 mal unvorstellbar größer sein, als ich es hier mit Worten ausmalen kann.
  • Frage: Nun, wozu überhaupt einen Gott/höheres Wesen?
  • Antwort: Ich bin komischerweise ein Mensch der glaubt - aber wie gesagt diesen Glauben als unvollendet ansieht. Es ist kein Faktum, dass es einen Gott gibt. Es ist für mich auch nicht eine Macht, die nur für die Frommen Partei ergreift. Ich glaube, dass das, was wir sehen und in unseren Sinnen wahrnehmen, nicht alles ist. Ob das "Mehr" an Realität nun gut, böse, männlich weiblich, Jahwe, Allah, Gott, Jesus, Nirvana etc. ist, das muss ich offen lassen. aber ich glaube, dass da etwas ist. Wichtiger als dieser Dimension einen Namen aufzustempeln ist mir aber: wie findet diese Dimension MENSCHENgerecht seinen Weg in die Welt, die wir sehen/beeinflussen können? Und wenn ich mir da eben so durchlese, mit wieviel Leidenschaft ein Jesus damals die jüdische Unterschicht verteidigt und Sünder, die sozial geächtet waren, in die Gesellschaft einbindet, dann ist das ist für mich sinnvoll. Oder wenn ein Moslem sagt, "ich gebe meine Armensteuer ab, egal wieviel ich selbst habe, oder, egal such dir irgendwas aus - das ist was ich als heiligend und sinnvoll erachte. Gelungenes Leben. Im Hier und Jetzt. Aber im Bewusstsein, dass Hier und Jetzt nicht alles sein könnte. Es macht meiner Meinung nach auch nichts aus, aus welcher Motivation heraus das Gute passiert. Solange es aufrichtig ist und nicht manipulativ ist, ist mir egal ob ein Sozialist, ein Hindu oder ein Bonze menschenwürdig handelt.
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  1. von lennek gepostet
Künstlerherz am Schlagen hält.