Lennek schreibt eine Seite…
Heute kauft er sich den SPIEGEL von den vier Euros, die da noch im Geldbeutel klimpern, anstelle eines stinkigen Drehtabaks, wie noch vor ein paar Jahren. Zum Glück erscheint der nur einmal in der Woche, sagt er sich, so spart er immerhin doch noch ein bisschen was. Er freut sich über den einen Euro, den er noch aus der Hosentasche pult, um den Findling Sekunden später gegen ein kühles Beck’s in der Dose einzutauschen. Da liegen sie also nun, an der Tankstellenkasse, alle beide nebeneinander. Das Bier sähe sich lieber in Gefolgschaft des Drehtabaks, der Zigarettenpapiere und der kleinen Filterchen, die damals immer beim letzten Zug so schön die Lippen ansengten. Oder die, einmal zu nass gezogen, die bitterbraune Nikotinpfütze in den Mund tropfen ließ. Könnte der SPIEGEL reden, würde er dem Vorschlag der Bierdose zustimmen. Soll er sich lieber den Tabak kaufen. Wenn er dich trinkt, versteht er mich eh nicht mehr. Eigentlich versteht er ihn ja so oder so nicht. Er würde es gerne, und so redet er sich ein, er könnte es eines Tages, wenn er nur lange genug hineinstarrt. Eigentlich will er ja nicht einmal den SPIEGEL sondern die Welt verstehen, also nicht die Tageszeitung, sondern die Welt. Da hilft auch weder sein Soziologie-, noch sein Politikwissenschaftsstudium wirklich weiter. Welche Welt will er eigentlich verstehen? Wenn er das nur wüsste. Die politische? Die wirtschaftliche? Die spirituelle? Philosophische? Psychologische? Soziale? Metaphysische? Jedenfalls will er die Welt verstehen, am besten alle. Am liebsten würde er mit seiner individuellen, ganz persönlichen Welt beginnen, doch leider schreibt weder der SPIEGEL, noch Die Welt über ihn.